Mein Retusche-Workflow

Zusammengefasst auf 13 wichtige Punkte

Da immer wieder die Frage nach einem optimalen Retusche-Workflow kommt, habe ich in diesem Beitrag 13 meiner wichtigsten Schritte zusammengeschrieben. Jedes Bild benötigt eine individuelle Bearbeitung. Überlege daher genau was du willst, was du brauchst und wie du dein Ziel erreichst. Hier jedenfalls eine Liste, die dich anleiten soll, deinen Weg zu finden.

I. Auswahl des passenden Bildes

Die Wahl des Bildes ist ein entscheidender Punkt effektiver Retusche. Denn nur das Bild, das in Pose, Mimik, Outfit, Hintergrund, Schärfe und Licht bereits passt können wir optimieren. Bei allen anderen Bildern steht an erster Stelle das „Retten des Bildes“ was uns das Leben unnötig schwer macht. Investiere daher die Zeit in die Auswahl deines Wunsch-Bildes. Um dir diese Zeit (die kann langweilig sein) längerfristig immer mehr zu verkürzen, empfehle ich dir, immer mehr Zeit in die einzelnen „Klicks“ beim Shooting zu investieren. Erstelle mit deinem Model lieber ein paar Bilder weniger aber die passen dann von den oben genannten „Parametern“ und der erste Schritt im Workflow verliert immer mehr an Wert, da die Bilder insgesamt höhere Qualität aufweisen.

II. RAW-Entwicklung

Die RAW-Entwicklung ist für mich die Wurzel der Bildbearbeitung bzw. Retusche. Das Shooting im Studio, On Location oder Outdoor ist der „Nährboden“. Die Auswahl des Models, des Themas, die Lichtsetzung sind entsprechend die Samen und das Wasser, die das Bild entstehen lassen. Durch die RAW-Entwicklung lässt du nun aus den Samen, die du gesät hast (die Bilder) Wurzeln keimen. Du legst also fest, dass aus diesem Samen ein tolles Ergebnis entstehen kann. Bei einzelnen Bildern, zum Beispiel auch in anderen Bereichen der Fotografie kann die Pflanze auch schon im RAW-Converter wie beispielsweise Lightroom oder Camera RAW (Photoshop-RAW-Converter) reifen und fertig erblühen. In der Retusche genügt das meiner Meinung nach nicht, aber bitte vernachlässige die RAW-Entwicklung nicht!

III. Analyse der zu retuschierenden Bildstellen

Wenn du dein Bild nach der RAW-Entwicklung in Photoshop oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm geöffnet hast, empfehle ich dir eine Analyse des Bildes. Schreibe dir gerne einige Stichpunkte auf einen Zettel, welche Bildstellen du unbedingt bearbeiten solltest. Das hilft dir dabei den Überblick nicht zu verlieren und dich nicht in Perfektionismus verfallen zu lassen. Nach einer halben Stunde an einer kleinen relativ unbedeutenden Stelle zu merken, dass noch 9 weitaus relevantere Bildstellen bearbeitet werden sollten kann frustierend sein. Glaub mir, ich weiß wovon ich spreche 😉

IV. Hautretusche mit Frequenztrennung

Die Hautretusche ist eine der zentralen Aufgaben bei der Portraitbearbeitung. Dabei ist es wichtig die Hautunreinheiten zu beseitigen. Stellen, die zur Person dazu gehören sollten nicht entfernt werden (Falten, Narben, Muttermale). Achte darauf, dass du die Hautstrukur beibehältst, keinesfalls solltest du die einfach nur „weichzeichnen“. Daher nutze ich die Frequenztrennung. Du möchtest diese Technik, bei der du die Strukturen behältst kennenlernen und beherrschen? Dann empfehle ich dir mein Video-Training:

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V. Anpassen der Lichter und Schatten auf der Haut

Nicht nur die Strukturen gehören zur Haut, auch die Lichter und Schatten solltest du anpassen. Am Besten geht das mit Dodge & Burn. Dabei schaust du, welche Stellen nach vorne treten und welche in den Hintergrund treten sollen. Helle Stellen wirken optisch näher, dunkle Stellen weiter hinten.

VI. Anpassen von Hautfarben

Die Haut hat verschiedene Farbtöne. Diese gleiche ich mit Gradationskurven, leeren Ebenen im Modus „Farbton“ oder mit der Verlaufsumsetzung aneinander an. Gerade bei extremen Temparaturen (im Sommer heiß, im Winter kalt) bekommt die Haut schnell rote stellen, die du korrigieren solltest.

VII. Kleidungsretusche

Vernachlässige nicht die Kleidung. Ich sehe immer wieder, dass bei der Retusche die Haut im Gesicht super aussieht, die Kleidung allerdings noch starke Falten aufweist oder Fussel, Risse zu sehen sind. Das kannst du mit Dodge & Burn und der Frequenztrennung korrigieren. Außerdem kommt bei diesem Schritt auch das Umfärben der Kleidung dran, sollte es notwendig sein.

VIII. Hintergrund

Schonmal den Hintergrund retuschiert? Das ist nicht zu unterschätzen. Wenn du dir Retusche sparen willst, gibts hier 2 (Fotografie-)Tipps:

Fotografiere mit offener Blende, dadurch wird der Hintergrund deines Bildes weichgezeichnet und du hast zumindest schonmal keine Strukturen zu korrigieren. Die Farben solltest du dennoch gegebenenfalls anpassen.

Achte beim Fotografieren auf einen sauberen und ordentlichen Spot. Vernachlässige nicht, den Winkel so zu wählen, dass keine störenden Elemente im Bild sind (Mülleimer, Laternen, …)

IX. Augen betonen

Worauf schaust du bei Personen als erstes? Ok, nicht bei allen aber bei vielen 😉 Auf die Augen. Diese zu betonen spielt in meinem Workflow eine große Rolle. Die Farben und Kontraste lassen sich mit diversen Einstellungsebenen optimieren. Die Gradationskurve ist hier optimal, da du damit sowohl die Farben als auch die Kontraste ändern kannst.

X. Kontraste und Farben global anpassen

Ist dein Bild fertig retuschiert, kannst du nochmal die allgemeinen Farben und Kontraste deines Bildes anpassen. Ist alles was erkennbar sein sollte gut sichtbar, stimmen alle Farben Helligkeiten? Überprüfe es und passe es gegebenfalls an.

XI. Look kreieren

Hat dein Bild schon DEN Look? Der ist von Bild zu Bild, von Künstler zu Künstler anders. Überlege dir genau, was du bisher am Bild gemacht hast, welche Wirkung das Bild haben soll und sei kreativ in der Farbauswahl, bei Overlay-Effekten oder Texturen. Aber übertreibs nicht 😉

XII. Blick des Betrachters lenken

Schaut der Betrachter deines Bildes dort hin wo du möchtest? Lenke den Blick des Zuschauers dort hin wo du möchtest. Mit Farben, Vignetten und einzelnen Lichtquellen lässt sich das super realisieren

XIII. Schärfen

Wenn dein Bild fertig ist, kann es raus gehen in die Welt. Dazu wird das Bild gegebenenfalls verkleinert und definitiv nochmal nachgeschärft. Entweder partitiell oder global, je nach Bild etc.

 

Ich hoffe sehr, dass dir dieser Einblick in meinen Grund-Retusche-Workflow gefallen hat und freue mich auf deinen Kommentar, was du noch lesen möchtest.

 

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