5 Gedanken zum Thema Kritik

Hallo lieber Leser,

immer wieder habe ich, wie du sicher auch, mit Kritik zu tun. Besonders im Bereich der Kunst ist es ein sehr umstrittenes Thema und nicht wenige haben Probleme mit dem Annehmen oder Geben von Kritik. Dass Fotografen besonders kritikresistent sind kann sein, möglicherweise kommt es mir aber auch nur so vor, da ihr in sehr vielen Foto-Gruppen unterwegs bin 😉

In diesem Beitrag schreibe ich über Kritik, wie du sie Geben und Annehmen lernen kannst, Was Kritik für mich bedeutet und warum du keine Angst haben solltest dich damit auseinander zu setzen.

Im gesamten Beitrag werde ich dich direkt ansprechen. Das bedeutet allerdings nicht, dass das alles auf dich zutreffen muss, aber es ist mir wichtig, dass du dich aktiv mit dem Thema Kritik beschäftigst und verstehst, welch großartiges Werkzeug die Kritik für dein Wachstum und das deiner Mitmenschen ist.

1. Warum empfindest du Kritik (erst mal) als negativ?

Wenn du von Kritik sprichst, ist sicherlich der erste Gedanke „ich habe etwas falsch gemacht und kann das nicht.“ Möchtest du deine Fähigkeiten und Fertigkeiten verbessern, solltest du dich mit den positiven Seiten der Kritik beschäftigen. Ich habe die Erfahrung gemacht (eigene und auch bei vielen anderen), dass gerade Anfänger in der Regel wesentlich größere Probleme damit haben, mit Kritik umzugehen. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen hältst du das, was du machst (noch) als soooo toll und siehst deine „Fehler“ nicht. Daher kannst du nicht verstehen, warum dich jemand kritisiert. Du fühlst dich in deinem Stolz gekränkt, weil du noch nicht die Top-Ausrüstung hast und der Meinung bist, das sei das Beste, was du mit deiner Kamera und z.B. diesem einen Blitz machen könntest. Aber merk dir: du kannst immer noch mehr raus holen aus deinem Equipment. Profis haben auch mal klein angefangen und wenn du konstruktive Kritik bekommst, nimm sie an.

2. Wie du „richtig“ kritisierst

Kritisieren ist anfangs nicht einfach. Wenn du etwas oder jemanden kritisieren willst, von dem du selbst wenig Ahnung hast oder auch einfach nur weniger, als der Künstler, traust du dich nicht alles zu sagen, was dich stört, getreu dem Motto: „Der hat es sicher so gewollt, der ist ja besser“. Bei Kritik von Bildern eines Anfängers kommt dann noch hinzu, was ich in Punkt 1 angesprochen habe, du weißt nicht genau, wie er es auffasst, weil unklar ist, welche Möglichkeiten und Erfahrungen er hat. Kritik sollte – nein muss – konstruktiv sein. Wenn unter deinem Bild steht „toll!!!“ oder „schlecht!!!“ hat das reichlich wenig mit Kritik zu tun, sondern dient lediglich der Tatsache, dass jemand „mal kommentiert“ hat. Für den Künstler ist ein Lob natürlich aufbauend, aber ein Lob zu einem Bild, das verbesserungswürdig ist (und das sind nun mal die meisten Bilder) ist nicht nur produktiv. Du hast bei fast jedem Bild etwas das dich stört oder du anders gemacht hättest, also kann man doch schreiben (in der Annahme, dass ein Amateur kritisiert) „Das Bild ist klasse, mir gefällt die Idee, allerdings gefallen mir die Farben nicht, das Hemd passt farblich nicht zum Hintergrund“ – Kurz, eindeutig und der Künstler hat dann die Möglichkeit, sich unter diesem Gesichtspunkt das Bild nochmals selbst anzuschauen und zu überlegen, ob der Kritiker recht hat und was man beim nächsten mal oder auch direkt mit einer anderen Bearbeitung besser machen könnte. Wenn du erfahrene Künstler öffentlich kritisierst solltest du vorsichtig sein, denn sie verdienen ihren Lebensunterhalt damit und zu viele negativ wirkende Worte können potenzielle Kunden davon abhalten ihn zu buchen.

3. Warum ist es wichtig, Kritik zu bekommen und anzunehmen?

Wichtig ist, dass dir und jedem anderen bewusst sein sollte, wenn wir unsere Kunst öffentlich machen, wird sie betrachtet und es wird unterbewusst „geprüft“ ob es einem gefällt oder nicht. Diejenigen, die dann ihre Meinung sagen, sind Kritiker und sollen auch als solche betrachtet werden. Es gibt sicherlich Momente, in denen man Kritik einfacher aufnimmt als in anderen Momenten, aber im Grunde lernt man (nur?) aus Kritik und sogenannten „Fehlern“. Wenn du in einer Sache besser werden möchtest, ist es wichtig, sich die Meinung anderer anzuhören. Ein Künstler hat eine persönliche Beziehung zu seinem Werk und daher fällt die objektive Betrachtung oft sehr schwer. (Betriebsblindheit) Die Meinung anderer und besonders konstruktive Rückmeldungen helfen dabei, sich selbst Gedanken zu machen, ob du beim nächsten Mal alles genau so machen würdest oder doch etwas veränderst. Kritik lässt Menschen reifen. Auch wenn es oft schwer fällt es zu akzeptieren.

4. Was du aus dem Kritisieren anderer Bilder lernst?

Wenn du um Kritik geberen wirst, entweder durch eine direkte Anfrage oder auch nur dadurch, dass ein Künstler ein Werk (mit der Bitte um Feedback) veröffentlicht, solltest man dies als Chance sehen. Bei einem Werk, das in das gleiche oder ein sehr ähnliches Tätigkeitsfeld fällt, in dem du selbst aktiv ist, kannst du technisch konstruktiver kritisieren. Nimm dir die Zeit, das Bild zu analysieren und dir Gedanken zu machen, warum es ansprechend wirkt oder was eher störend ist. Das spannendste dabei ist, dass du die Kritik, die du einem Künstler machst, sehr gut auf dich selbst und deine eigene Kunst übertragen kannst. Wenn zum Beispiel eine Lichtsetzung gewählt wurde, die dir beim Betrachten nicht zusagt, kannst du etwas in der Art mal selbst probieren und vllt eine Möglichkeit finden, dieses Set so zu fotografieren, dass es sie anspricht. Wenn du etwas kritisieren möchtest, von dem du wenig Ahnung hast, solltest du dir dennoch die Zeit nehmen um dem Ersteller deine Meinung mitzuteilen. Auch wenn du nicht die Zeit und Lust hast, immer alles zu kommentieren, so kannst du dennoch Menschen mit Potential Tipps zum besser werden mitgeben.

5. Wen kannst du um Kritik bitten? Und wie?

Kommt es häufig vor, dass du ein Bild erstellt und es der Menschheit zeigst und dann kommen kaum Reaktionen oder nur einzelne „Likes“ oder vllt sogar gar nichts!? Du kannst dann entweder sagen „wenn keiner meckert, muss es toll sein“ oder aber „wenn mich keiner lobt oder kritisiert, ist das Bild für die Betrachter uninteressant“… Beides kann durchaus der Fall sein. Wenn du aber ein Bild veröffentlichst mit der Absicht, Kritik zu bekommen, dann musst du auch etwas dafür tun. Schreibst du zum Beispiel hin, welche Einstellungen du verwendet hat oder was du dir bei der Bildidee dachtest, so hat der Betrachter sofort einen anderen Bezug zum Bild und seine Finger laufen schneller über die Tastatur. (Gib dir Mühe, dann tun es andere auch) Auch kann es wirklich von Vorteil sein, direkt Personen um Kritik zu bitten, indem du ihnen das Bild per Mail schickst oder es ihnen auch „live“ zeigst, ein paar Worte dazu erklärt und dann abwartest was der andere meint. Nur wenn der kritik-Bedürftige (nenn ich mal so) sich Arbeit macht um den anderen zu motivieren, kann er auch „erwarten“ dass sich der andere die Zeit nimmt etwas dazu zu sagen oder zu schreiben. Sinnvoll ist auch immer, andere zu kritisieren und ihnen zu zeigen, dass sie auch jederzeit von einem selbst kritik erwarten können.

6. Fazit

Ich musste aktiv lernen mit Kritik umzugehen. Als ich mit Fotografie und Bildbearbeitung begonnen habe, war ich der Meinung, meine Werke sind perfekt. Da stimmt alles und mir kann keiner was… Wie ich aber schnell feststellen musste, stimmt grundsätzlich nie alles! Sei es, dass das Licht nicht passt, die Farben nicht harmonieren, das Model nicht zum Thema passt, zu viel retuschiert wurde und das Bild „gerettet“ aussieht oder oder oder… Ich kann dir nur wärmstens empfehlen, wenn dich Leute kritisieren und das (im Optimalfall) regelmäßig und sehr konstruktiv tun, nimm es an! Du kannst noch so viele Kurse und Workshops besuchen oder Bücher lesen, wenn du das Gelernte nicht umsetzen kannst, nützt es nix. Und ob es dir gelingt es umzusetzen, erfährst ihr eben nur durch Kritik. An erster Stelle (!!!) muss dir deine Arbeit gefallen. (Vorausgesetzt es ist kein Kundenauftrag, dann ist der Kunde oder die entsprechende Zielgruppe wichtig(er)) Aber um eben „besser“ zu werden, brauchst du möglichst objektive Meinungen… Ich habe das Glück, in meinem Bekanntenkreis sehr sehr harte Kritiker zu haben und durch diese werde ich auch immer besser. Ich lese immer ganz interessiert, was denen nicht passt und versuche mich dann an einer Änderung. Wenn ichs davor besser fand, lass ichs, wenn mir aber der Einwand einleuchtend scheint, warum nicht!??

Mich interessiert deine Meinung zum Thema Kritik. Bist du jemand, der oft kritisiert? Wie gehst du mit Kritik um? Hast du Ergänzungen zum Blog?

Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

Danke fürs Lesen und viel Spaß beim Kritisieren und Lernen

 

Frank

(reckordzeitstudio)

 

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2 Comments

  1. Ich bin hier im Netz und in den Communities um mir Fotos von anderen anzusehen, ihre Technik zu verstehen und die Geschichte hinter dem Bild zu ergründen. Völlig wertungsfrei, aber sehr neugierig. Was ich persönlich nicht mag, wenn man mir mit Ratgeber auf den Nerv geht. Nur wenn einer explizit einen Rat wünscht, oder konkrete Fragen stellt bzw. eine konstruktive Kritik möchte, dann ist das ok. In Bezug auf Kritik ist alles schon gesagt und geschrieben, jeder geht anders damit um und das ist aus meiner Sicht auch gut so.

  2. Zu Kritik hast du eigentlich schon alles gesagt. Würde ich sagen… 🙂 und ich denke, ich kann mit konstruktiver Kritik durchaus umgehen. Nur manchmal finde ich es dann doch seltsam, das – wenn ich auf Kritik antworte; also meine Meinung und meine Gedanken zu den in der Kritik angesprochenen Dingen schreibe, einige meinen, ich versuche mich einfach nur herauszureden. Das verstehe ich dann nicht…

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